Diese Frage drängt sich automatisch den meisten Lesern bei der Lektüre der LoftyCruiser-Information auf. Die spontane Antwort ist zumeist, daß so ein großes Projekt nur von einem großen, erfahrenen Unternehmen der Luftfahrt-Industrie mit Aussicht auf Erfolg durchgeführt werden kann. Doch muß man sich vergegenwärtigen, daß es aus den verschiedensten Gründen kaum möglich sein dürfte, ein solches Unternehmen dafür zu gewinnen, wobei das in großen Unternehmen oft zu beobachtende "not-invented-here"-Syndrom den Ausschlag geben kann, aber auch die langfristigen Strategien nur bei dringender Notwendigkeit Abweichungen von der Generallinie gestatten.
Am Beispiel der CargoLifter AG, die aus ähnlichen Überlegungen heraus die Entwicklung und den Bau eines Prototyps ihres Schwerlast-Transporter CL160 selbst in die Hand genommen hat und dabei bedauerlicherweise, wie es heute aussieht, gescheitert ist, kann man lernen, daß dem eigentlichen Arbeitsbeginn eine längere Phase sorgfältiger Planung des Vorgehens bei einem so großen Projekt vorausgehen muß. Insbesondere muß klar unterschieden werden, welche prinzipiellen technischen Probleme unabdingbar vor Arbeitsbeginn festgelegt werden müssen, welche andere dagegen erst im Laufe der Entwicklung im Detail ausgearbeitet werden müssen. Dies kann bedeuten, daß wegen prinzipieller Schwierigkeiten sich die Planungsphase unerwartet lang hinzieht und die Unterdrückung von Wunschdenken und Ungeduld ein hohes Maß von Selbstdisziplin verlangt.
Natürlich wird man soweit irgend möglich abgrenzbare Teilsysteme (Gaszellen und Gas-Handling, Vortriebsmotoren, Elektrozentrale, Wasserinstallationen usw.) als Lieferaufträge an Spezialfirmen vergeben. Zudem wird man an Hochschul- und außeruniversitäre Institute herantreten und Beratungsverträge abschließen, um wissenschaftlich-technische Probleme zu untersuchen. Eine enge Zusammenarbeit mit dem Luftfahrt-Bundesamt (LBA) wird von Anfang an geboten sein, um Fehlentwicklungen zu vermeiden. Mit einem solchen Bootstrap-Verfahren wird man sich zügig und ohne große Umwege dem Ziel nähern können.
Die Frage, die sich spätestens jetzt aufdrängt, ist: Wie ist das alles zu finanzieren? Hier ist klar zu sagen, daß es kaum möglich sein dürfte, Groß-Investoren, die schnell realisierbare Gewinne erwarten, für ein so langfristiges Projekt, für das es zudem keinen Präzedenzfall gibt, zu erwärmen. Dagegen dürfte es schon anders bei den verschiedenen Gesellschaften aussehen, die sich auf die Finanzierung von Schiffsbauten spezialisiert haben. Hier ist eine mehrjährige Vorlaufsphase bis zum ersten Gewinn etwas Alltägliches. Tatsächlich ist ja auch ein Luftschiff in fast jeder Beziehung einem Schiff viel ähnlicher als einem Flugzeug.
Dagegen ist es in Deutschland nach mehrfachen Novellierungen des Aktiengesetzes erheblich einfacher geworden, eine Aktiengesellschaft zu gründen und zu gegebener Zeit an die Börse zu bringen. Es werden sich nur solche Aktionäre engagieren, die das Risiko nicht scheuen, vielleicht fünf oder sechs Jahre auf die ersten Einnahmen aus der Investition zu warten, weil sie sich für ein solches Projekt begeistern und bei den ersten Flügen dabei sein wollen. Die CargoLifter AG ist diesen Weg zunächst mit großem Erfolg gegangen, bis das Platzen der Spekulationsblasen des Aktienmarktes ein grausames Erwachen nicht nur für die CargoLifter AG, sondern auch und gerade für die inzwischen über 70.000 Kleinaktionäre bedeutete, die praktisch ihr ganzes eingesetztes Kapital verloren haben.
Natürlich muß sich das finanzielle Engagement bei aller begrüßenswerten Begeisterung auch langfristig rechnen, indem der Betrieb des LoftyCruisers nachhaltig gute Gewinne erwirtschaften läßt. Die bisher durchgeführten vorsichtigen Abschätzungen lassen erwarten, daß mit dem ersten LoftyCruiser jährliche Umsätze von mindestens 100 Millionen Euro zu erzielen sein dürften, wobei die Gewinne wegen der relativ hohen Entwicklungskosten des ersten LoftyCruisers zunächst noch bescheiden sein werden. Das wird sich jedoch bei jedem weiteren LoftyCruiser dramatisch verbessern, weil dann im wesentlichen nur noch kleinere Änderungen an dem Bauplan vorgenommen werden und praktisch nur noch die reinen Baukosten ins Gewicht fallen. Die inzwischen abgeschlossene Marktstudie (siehe News) läßt erwarten, daß mindestens mehrere LoftyCruiser für den europäischen Markt gleichzeitig im Einsatz sein können.
In dieser Situation erschien es uns angezeigt, für die Planungsphase zunächst eine LoftyCruiser GmbH & Co. KG zu gründen, um eine Basis für die gründliche Planung zu schaffen. Über die erzielten Zwischenergebnisse werden wir zu gegebener Zeit in unserer NEWS-Sektion berichten. Falls Sie weitergehende Fragen oder Vorschläge haben, lassen Sie es wissen, wir sind für alle guten Ideen offen.